GERD MAAS

Lebenswandel

Das alte Neue aus Absurdistan in der Kategorie Lebenswandel - 27 Beiträge

G'schichten aus dem Veganergarten

März 2016 __

Es war einmal ein Veganer,
der nippte gern Paulaner.
(Konnt vielleicht den Laubsalat, den faden,
gar nicht anders mehr ertragen.)


Doch hat er sich verschluckt,
als er mal hinter’s Etikett geguckt.
Da klebt im Leim verborgen,
was andernfalls gern Käse wär geworden.


Das Protein der Milch
macht öde Flaschen bunter,
jedoch bei diesem Flaschenkleberich
bringt der Veganer keinen Schluck mehr runter.


Wenn Ka-se-in am Weißbierflasch’l pappt,
der Veganer leicht moralisch überschnappt.
Den Rest der Menschheit stört das kaum,
der säuft halt ohne hinzuschau’n.


Mit Moral ist’s wie mit Biergenuss,
Verdruss beschert der Überfluss.
Man kann auch alles übertreiben
und jede Tugend auf die Spitze treiben.


Nachhaltig ist nur Mäßigung,
das Mittelmaß im besten Sinne.
Daher verzicht‘ ich auf Veganertum
und denk doch nach, bevor ich was verschlinge.

Jetzt macht mal einen Punkt

Oktober 2015 – Zum Ende der Sommerzeit ein letzter Rückblick – der Trend des Sommers 2015: Sommersprossen. Naja, die sind ja zugegebenermaßen oft auch recht attraktiv. Gerade das ein bisschen Unperfekte macht fraglos häufig erst die wahre Schönheit aus. Die Natur zeichnet nicht exakt nach Ebenmaß. Da war es wohl nur eine Frage der Zeit, dass solche Erkenntnis auch bei den gewerblichen Manipulatoren des Faktischen greift. Und so war dieser Sommertrend keine Hommage an eine liebenswerte Laune der Natur, sondern die Geburt des „Freckle Pencil“ – ein Make-up-Stift zum Sommersprossen-Aufmalen. Wer’s homemade bevorzugt, besprenkelt sich mit einer alten Zahnbürste und Selbstbräuner. Permanent-Make-up-Tupfen gibt es auch – also Sommersprossen-Tätowierungen. Spätestens da kippt dann eine eher harmlose modische Albernheit ins Absurde. Können wir der Zukunft noch ungeschminkt ins Auge blicken?

Auffaltend

November 2014 – Sich das Gesicht mit Nervengift aufblasen zu lassen, ist unverändert ein boomendes Geschäft. Die Aktien des Botox-Herstellers Allergan sind zwischen Anfang 2009 und Anfang November 2014 von 41,49 US-Dollar auf über 196 US-Dollar geklettert. 53 Milliarden US-Dollar hat man Allergan für die Übernahme geboten. Kein Wunder, denn 2,3 Milliarden Umsatz macht das Unternehmen gerade jährlich allein mit Botox. Beim Arzt wird der Stoff dann mit 200 Prozent Aufschlag auf den Einkaufspreis gedealt – das ergibt einen 7-Milliarden-Dollar-Markt. Angefixt werden die Schönheitssüchtigen nach dem Tupperware-Prinzip auf Botox-Partys. Beim ersten Mal kommt man meist billig davon. Ein Paar Krähenfüße glatt bügeln, ist für 100 Euro zu haben. Allein, nach drei bis sechs Monaten fällt der schöne Schein wieder in sich zusammen und bald giert man nach einem neuen Schuss. Wie sollte man auch sonst seiner Umwelt den plötzlichen Rückverfall erklären. Und dann finden sich ja auch andernorts nicht ideale Lebenszeichnungen – hängende Mundwinkel oder Augenbrauen, Stirnfalten oder gekräuselte Oberlippen – da kommen leicht mal 500 Euro und mehr für eine Behandlung zusammen. Wem die Einstiegsdroge Botox irgendwann zu profan ist, lässt sich für 1.000 Euro Goldfäden unter die Haut ziehen oder für 800 Euro je Injektion Goldstaub mit Luftdruck ins Gesicht schießen. Und schon ist man schön. Schön blöd.

Flower Power Now

Februar 2013 – Angesichts der mannigfaltigen Angebote, seinen Teddybär in den Urlaub schicken zu können, hatte ich in Dekadenz darüber sinniert, was in derartigen Sphären der Nutz- und Sinnlosigkeit noch für Auswüchse vorstellbar wären. Eine Aromatherapie für überstrapazierte Wohnräume war mir damals eingefallen. Eine rostfreie Pause für das Auto in der Wüste. Oder man könnte müde Topfpflanzen zur Entspannung ins Klassikkonzert expedieren. Allein, es kommt oft anders, als man denkt. Schlimmer. Homöopathische Pflanzenpflege. Belladonna gegen Mehltau. Arnika bei gebrochenen Blütenblättern. Callendula, wenn sich die Tomaten beim Pikieren die Wurzeln gestoßen haben, oder Bachblüten-Notfalltropfen, wenn Zimmerpflanzen beim Umzug in Stress geraten sind. Selbst gegen unergründlichen Mobilfunk-Smog gibt es Globuli für die Gießkanne.
Es sei jedoch dringend zu beachten, die Kügelchen nicht mit einem Metalllöffel im Wasser zu verrühren; auch Handschuhe wären hilfreich und beim Spritzen ein Mundschutz, um den Hautkontakt beziehungsweise das Einatmen dieser wirkmächtigen Essenzen – andernorts auch unter der Bezeichnung „Zuckerwasser“ bekannt – vorzubeugen. Damit wirklich nichts schiefgeht, bieten bereits erste Volkshochschulen entsprechende Kurse an. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie Ihr Horoskop und befragen Sie das Pendel oder die Wünschelrute.

Geschäft machen

Oktober 2012 – Es ist ja heute eher selten, dass sich jemand jenseits bewirteter oder zumindest Dixi-bewehrter Natur bewegt. Kaum ein aussichtsreicher oder ansichtswürdiger Fleck dessen Zugang nicht stöckelschuhfähig trassiert wäre, nebst allen notwendigen Einrichtungen drum herum für die wesentlichen Bedürfnisse der Sandalenritterscharen – insbesondere den Ein- und Ausgang des Stoffwechsels betreffend. Kaum ein Ort ohne Örtchen also. Wenn es welche auch heute noch weiter treibt, in archaischere Gefilde der sanitären Unerschlossenheit, dann zumeist nur solche, die sich nicht viel darum scheren, zu Zeiten ihr Hockerl zu machen oder die vielleicht sogar einen gepflegten Spatengang zu arrangieren wissen. Für was in aller Welt brauchen wir also ein faltbares Papp-Klo, die Shitbox der Brown (sic!) Corporation aus London, die gerade auch in Deutschland nach Verbreitung sucht. Ein aufklappbarer Thron aus Wellpappe, wenn man ohne Komfortverlust mal den Fichtennadelduftklosteinen zu Hause mit einem Pappstuhlgang im Stadtpark entfliehen möchte. Ich mach’ mir jetzt schon in die Hosen, wenn ich mir die erste Begegnung mit einem Shit-Box-Pooper in freier Wildbahn ausmale. Gemacht werden soll in biologisch abbaubare Poo Bags, die danach …, ja was macht man denn damit danach – mit heim nehmen und ins Komposteimerchen auf den Balkon schmeißen? Und was wenn dereinst einen wandernden Faltklogänger der Schlag trifft und er in der zur Verrichtung aufgesuchten Stille nicht gefunden wird? Was werden Forscher über unsere Zeit mutmaßen, wenn sie in 5.000 Jahren einen Ötzi entdecken, der mit heruntergelassenen Hosen im Wald auf einer Schachtel sitzt?

Himmelsbotenstoffe

April 2012 – Schon mal was von Engelspray gehört? Nein, nicht der Duft der Frauen provoziert, dass einem drei Engel für Charlie wie nichts auf den Schoß fallen. Und, nein, auch nicht in Gelb als Reifenpannenspray vom ADAC. Engelspray ist Raumspray für die höheren Dimensionen der Sinneswahrnehmung. Quasi Zimmerdeo gegen übel transpirierende Aura. Für das AEJP VABBA Raumspray aus dem „Essenzenladen“ zum Beispiel haben 17 Lichtarbeiter durch ein Channelmedium außerirdische Energie in Wasser, Brandwein, Rosenwasser und Grapefruitextrakt transferiert, so dass sich 50 Milliliter davon für 20,37 Euro zuzüglich Versandkosten verkaufen lassen. Die rechtlichen Hinweise gilt es freilich auch zu zitieren: „Alle Aura-Essenzen basieren auf dem Schwingungsprinzip und haben keine wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung. Wir beschreiben ausschließlich feinstoffliche Energien und treffen keine Aussagen über die Wirkung der Essenzen.“ Blaming the victim: Wenn’s nicht hilft, haben Sie wohl nicht genug daran geglaubt; außerdem haben wir Ihnen ja nie was versprochen.

Utopia 2.0

März 2012 – Für einen materiellen Wachstumsskeptiker wie mich ein verlockender Buchtitel: Gemeinwohl-Ökonomie (erweiterte Neuausgabe, Wien 2012). Gemeinwohl-Ökonomie, so beschreibt der Autor und Begriffspräger Christian Felber – romanischer Philologe und laut Klappentext freier Tänzer – aber tatsächlich einen Albtraum aller Verfechter einer offenen Gesellschaft. Als Gemeinwohl-Ökonomie entwickelt er ein neues Utopia und ersetzt Thomas Morus’ patriarchalische Herrschaft durch eine Gutmenschen-Volksdiktatur. Wie Morus baut auch Felber sein ganzes Wohlfahrts-Kartenhaus auf dem schmalen Grat seiner Überzeugung, der Mensch wäre hilfreich und gut – nicht auch, sondern ausschließlich. Er baut seine Traumwelt darauf, dass der Mensch, wenn man ihm es nur nett genug beibrächte, sich allein an „Vertrauensbildung, Ehrlichkeit, Wertschätzung, Respekt, Zuhören, Empathie, Kooperation, gegenseitigem Helfen und Teilen“ orientieren würde. Keine Frage, das sind tragende Werte unserer Zivilisation, aber eben nur die eine von zwei Seiten unseres evolutionären Erfolgsprogramms. Die andere Seite unserer Natur entspringt dem Kampf um Nahrung, Fortpflanzung und Status und treibt uns zum Wettbewerb, reizt den Ehrgeiz, verlangt uns Zähigkeit, Entbehrung und Leistung ab, erfüllt uns mit Stolz und zwingt uns aus Verantwortung für die Familie, für die Gemeinde, für die Zukunft auch unbillige Härten gegen die Mitmenschen ab. – In uns herrschen Antigone und Kreon, und selbst Antigone wird von Sophokles nicht ohne Stolz gezeichnet. – Von der dritten, der dunklen Seite des Menschen, Hass, Eifersucht, Zorn, Triebhaftigkeit, Gier et cetera, ganz zu schweigen.

Und so hofft Felber vergebens auf eine schöne neue Welt, würde man die Bürger nur selbst über die Wirtschafts-, die Bildungs-, die Daseinsvorsorge- und die Medien-Ordnung und die Verfassung der Demokratie entscheiden lassen und noch mit Gesetzesinitiativ- und –verhinderungskraft ausstatten. Da hat er sich die falschen Menschen ausgesucht, um mit solchen Kommunarden-Methoden zum perfekten Gemeinwesen des absoluten gegenseitigen Vertrauens zu gelangen: „Stellen Sie sich eine Gesellschaft vor, in der Sie jedem Menschen vollkommen vertrauen können: Wäre das nicht die Gesellschaft mit der höchsten Lebensqualität?“ – Tatsächlich wäre das das real existierende Grauen. Zum einen weil ich schon genügend Menschen kennengelernt habe, denen ich nie im Leben vertrauen können will, und zum anderen, weil diese Vorstellung nur in vollkommener Unfreiheit als das entmenschlichte System einer absolutistischen Technokratie verwirklicht werden könnte. Verordnete Massenvertrautheit.

Alle weiteren Facetten der Gemeinwohl-Ökonomie kann man sich dann getrost sparen. Sie beruhen alle unmittelbar auf dem unmöglichen Gutmenschen-Axiom. So belegen auch die paar realen Beispiele die Felber aufführt, dass sich neue, nachhaltigere Ansätze des Wirtschaftens auch in der Marktwirtschaft verwirklichen lassen und sie machen die wirkliche Herausforderung deutlich: nicht Wettbewerb und Gewinnstreben abschaffen, sondern das Ziel und die Art der Rendite neu definieren.

Gut bedient

November 2011 – Abiturienten lassen sich die Abschlussfeier komplett von professionellen Agenturen organisieren, Eltern blättern hunderte, wenn nicht gar tausende Euro für rückstandsfreie all-inclusive Kindergeburtstage hin, selbst Kommunion und Konfirmation sind schon massentauglich zu bedienbaren Events avanciert. Auch Geschenke muss man sich nicht mehr selber einfallen lassen, man lässt sich von den Vorschlagslisten der Onlineshop-Algorithmen leiten oder beauftragt hauptamtliche Geschenkideenhaber. Wer was erleben will, geht zur Erlebnisagentur und wählt unter zig „ausgefallenen“ Erlebnissen aus. Wer sich gesund halten will, lebt nicht einfach gesund, sondern geht zum Wellness. Wer ein Problem hat, sucht es nicht zu lösen, sondern trägt es von Therapeut zu Therapeut. Lebt ihr auch oder bucht ihr nur?

Wer? Wie? Was?

August 2011 – Im Vorfeld der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern hat der Nordkurier die Bürger von Emnid nach der Beliebtheit der regierenden Politiker befragen lassen. Dabei ging es auch schlicht darum, ob die Mecklenburger und Pommern ihre Volksvertreter überhaupt kennen. Eher mehr weniger. Nun, beim Justizministerium wird so mancher auch andernorts passen müssen, in MV kannten allerdings fast drei Viertel die seit 2006 amtierende Uta-Maria Kuder nicht. Henry Tesch, ebenfalls seit 2006 Kultusminister, war mehr als der Hälfte unbekannt (bei 14,1 Prozent Schulabgängern ohne Abschluss eigentlich ein Mann, der im Kreuzfeuer des öffentlichen Interesses stehen müsste). Die Sozialministerin Manuela Schwesig, immerhin stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD und als deren Verhandlungsführerin um von der Leyens Bildungspaket für bedürftige Kinder zuletzt medial bundesweit äußerst präsent, kannten 39 Prozent der Befragten nicht. Da wundert es dann auch kaum noch, dass jeder Zehnte nicht wusste wer Erwin Sellering ist (2000 bis 2006 Justizminister, danach Sozialminister und seit 2008, noja, Ministerpräsident).

Eine derartig hochgradige Entfremdung der Bürger von ihren demokratischen Repräsentanten ist riskant. Einerseits weil der politische Betrieb sich dann ungestört zu verschworenen Machtzirkeln verpuppen kann und andererseits weil in der Demokratie eine gewisse politische Teilhabe der Bürger unabdingbar ist. Die Demokratie braucht die Vielfalt des Pluralismus politischer Ideen – den Wettbewerb möglichst vieler Einstellungen und Überlegungen – um zur bestmöglichen Gestaltung des Gemeinwesens zu gelangen. Den Politikern alleine die Schuld für eine sogenannte Verdrossenheit in die Schuhe zu schieben ist billig. Selbst wenn deren Handeln wirklich nur mehr verdrießlich wäre, so wäre das ja gerade erst recht Grund sich in Parteien, Verbänden oder Bürgerinitiativen für eine bessere Politik zu engagieren. Einfach taub stellen ist allerdings bequemer. Und so zeugen solche Umfragen wie in Mecklenburg-Vorpommern eben nicht von Politikverdrossenheit, sondern von der wachsenden Bequemlichkeit, sich politisch zu beschäftigen, Positionen zu beziehen und damit die Auseinandersetzung zu suchen. Wir lassen uns heute lieber schlecht regieren, als dass wir selbst für eine Regierungsverantwortung mit einstehen möchten.

Mach mir das vom Fuß weg

Juli 2011 – Fisch-Pediküre ist der neue Trend der Beautybranche. Man streckt seine Füße ins Goldfischglas und lässt sich die Hornhaut von türkischen Kangalfischen abknabbern. So long and thank’s for the fish.

Rosskur

Juni 2011 – Auch die Pferde sind bei uns schon auf den Hund gekommen und müssen bei Leiden, Widerborstigkeit oder schlichter Unfähigkeit ihrer Halter und Reiter zunehmend Fragwürdiges – wie Globuli- oder Blutegel-Behandlungen – bis vollkommen Unsinniges – wie Reiki oder Tieraufstellungen*) – über sich ergehen lassen. Die Zeitschrift Cavallo hat im September 2010 einer besonders grassierenden Sorte von Quacksalbern auf die Hasenpfote geschaut, den Tier-Telepathen. Denen genügen vorgeblich ein Foto, ein paar Infos zum Pferd und vielleicht ein Telefonat mit dem Halter respektive der Halterin – denn tatsächlich ist die Kundschaft meist weiblich –, damit sie mit dem Tier in geistigen Dialog treten können, um dem Besitzer die Gedanken und Nöte des Pferdes zu offenbaren. Dass sich die Aussagekraft solcher „Fernfühlerei“ auf dem Niveau von Horoskopen in der Fernsehzeitung, Glückskeksen und Wahrsage-Automaten auf der Kirmes bewegt, vermutet der gesunde Menschenverstand unmittelbar (ganz abgesehen davon, dass beim Großteil aller Tiere die Sprachfähigkeit nicht über ein instinktives Signalverhalten hinausgeht oder dass sie überhaupt ein reflektierendes Ich-Bewusstsein hätten), Cavallo hat’s auch noch bewiesen und testete neun Tier-Telepathinnen (auch die Anbieter sind eher weiblich). Da widersprechen sich unterschiedliche Telepathinnen diametral (die eine meint, dass die Stute Flynn „die Zirkusarbeit und freie Spiele … sehr liebt“, die andere „Zirkus findet sie dagegen langweilig“), außer Allgemeinplätzen und Offensichtlichem stimmt wenig mit den Erfahrungen der Pferdebesitzer überein (der neugierige, aufdringliche Wallach Donald wird zum Beispiel als reserviert und menschenscheu eingeschätzt), es werden abstruse bis gefährliche Behandlungstipps gegeben („einen heilenden Bernstein in der Mähne“ – „schickt Engel-Energie, die die Heilung unterstützen soll“), ein vor drei Jahren verstorbenes Pferd „bewegt sich gern“ und eine zu einem Foto erfundene Stute möchte „Spaß haben“ und „kleine Tricks lernen“, das auf dem Foto aber ein Wallach abgelichtet ist, fällt nicht auf.

Warum so etwas trotzdem funktioniert? Ein Guru der Tier-Telepathie-Szene, Penelope Smith, meint: „Let the sense of meaning unfold by itself. Don't analyze, evaluate or criticize.

Anm.:
*) Tieraufstellungen sind Familienaufstellungen, bei denen auch das Tier durch einen menschlichen Stellvertreter repräsentiert wird, der dann (allein weil er mit anderen Stellvertretern im Raum herumsteht) angeblich Auskunft über das Seelenleben des Tieres in menschlicher Sprache geben kann – eine besonders einfache Methode der Scharlatanerie: Wer könnte kontrollieren, ob/was das Tier wirklich denkt? Und nachdem der Tierhalter zuvor das betroffene Tier und seine Sorgen vorgestellt hatte, wird jedem halbwegs einfühlsamen Stellvertreter unter der zielführenden Anleitung des „Therapeuten“ eine halbwegs plausible Erklärung einfallen, die er in seiner Rolle empfinden könnte. Die gegebene Bauerfängerei wird nicht zuletzt durch die lukrativen Ergänzungsleistungen der Anbieter belegt: Vera Sch.-H. meint “individuelle Bachblütenmischungen können in Verbindung mit der Aufstellungsarbeit helfen, den Seelenfrieden des Tieres wiederherzustellen“, Gisa G. löst nach der Aufstellung beim Tierhalter die angeblich ursächlichen Energieblockaden durch Handauflegen, Andrea W. heilt die Tiere zusätzlich auf einer schamanischen Reise, Tanja W. bietet dazu die energetisch unterstützende Beratung und Sabine P. betreibt sensitive Radionik, bei der mittels Rute oder Pendel eine energetische Systemanalyse erstellt wird und „Heilimpulse können [dabei] energetisch auf ein Remedium geprägt werden oder als Fernheilung gesendet werden“. Don't analyze, evaluate or criticize. Just believe and pay.

Gaudeamus igitur

Juni 2011 – In einem Interview mit dem KulturSPIEGEL (Ausgabe 6/2011) redet der Philosoph(ieprofessor) Robert Pfaller vehement dem Genuss als einzigen Sinn des Daseins das Wort. Das Lohnenswerte am Leben reduziert er auf Banalitäten wie eine Zigarette beim Kaffee oder Ballspielen an einem Sommerabend. Die Maßlosigkeit ist ihm dabei das erquickende Prinzip: „Glücklich sind wir, wenn wir mit Freunden trinken, rauchen, tanzen bis zum Umfallen.“ Zugleich verpönt er Zweck und Ziel und Aufgabe als Spaßbremsen. „Die Sinnfrage stelle ich bewusst nicht.“ Da hat nun offenbar die Trivialisierung auch schon die Philosophie erreicht, nach dem Motto: Ich frage nicht, dann vermisst auch niemand eine Antwort. Pfaller stellt die Realität gar auf den Kopf und versteigt sich, unsere Gesellschaft eine asketische zu nennen. So erteilt er der dekadenten Spätmoderne doppelt die Absolution. Er normalisiert die gegebene Moralfreiheit der Freizeit- und Spaßgesellschaft als vorgebliche Spießigkeit und befördert damit jede weitere Verspaßung und jeden zusätzlichen Müßiggang zur ethischen Glanztat. Dem Verkauf seines aktuellen Buches Wofür es sich zu leben lohnt ist das erwartungsgemäß zuträglich. Der Köder muss dem Fisch schmecken. Warum sich also mit schwerverdaulichen tiefschürfenden Seinsfragen herumquälen?

Nun ist ja gegen Ballspielen am Abend und Zechen mit den Freunden beileibe nichts einzuwenden. Einfach leben und ab und wann mal etwas unvernünftig über die Stränge schlagen, ist aber schon ein arg dünner Sinn des Lebens. Hätte so eine Philosophie allgemeine Gültigkeit, wäre uns die Niederschrift wohl erspart geblieben: Herr Pfaller wäre wahrscheinlich schon gezeugt, eventuell auch geboren worden, wohl kaum aber hätte sich jemand gefunden, ihn großzuziehen: Warum sich tagein, tagaus den Spaß von so einem kleinen Hosenscheißer verderben lassen?
Vor allem aber negiert Pfaller ein Meer von Erkenntnissen der Soziologie, Psychologie, Evolutionsbiologie, Hirnforschung und inzwischen ja sogar der Ökonomie (ganz abgesehen vom gesunden Menschenverstand). Wohlbefinden, Glück, das ist weit mehr als die pure Existenz und das materielle Auskommen, auch wenn es noch durch mondäne Eskapaden versüßt wird. Sicherheit, Gesundheit, Altruismus, Neues erforschen, dazulernen, Ziele haben und erreichen, wahrgenommener und anerkannter Teil einer Familie/Gemeinde sein, politische Teilhabe oder Freiheit, das sind alles anerkannte Glücksbringer, die in der pfallerschen Religion keinen Platz haben, weil sie komplex und verwirrend die stetige Auseinandersetzung fordern und sich eben nicht auf eine einzige Dimension reduzieren lassen und schon gar nicht auf die Don’t-worry-be-happy-Dimension.
Bei Aristoteles ist es gerade die Bereitschaft, sich dieser Multidimensionalität zu stellen und in allen Ebenen das gesunde Mittelmaß zu finden das Kennzeichen des geglückten, des glücklichen Lebens. Das macht das Leben nicht einfacher, aber wer um Gottes Willen hat bloß das Gerücht in die Welt gesetzt, in diesem schon vom vermuteten Anbeginn hochkomplexen Universum ließe es sich einfach leben? Wem das zu theoretisch ist, der sollte vielleicht mal bei der Eckkneipe in seiner Straße vorbeischauen und sich einen Eindruck machen vom Glück der Gäste, die da Abend für Abend mit den Kumpels trinken, rauchen und manchmal auch tänzelnd umfallen.

Elektro-Immobilität

Mai 2011 – Es war wohl wirklich nur eine Frage der Zeit, der Trend beim Fahrrad geht ja schon länger eindeutig in Richtung Elektro-Fahrrad, im Einzelhandel füllen sie schon ganze Verkaufsräume. Das Nahen der endgültigen Pervertierung war dementsprechend beinahe absehbar: das E-Mountainbike. Alternativ gibt es inzwischen auch Haltevorrichtungen, damit man ein altmodisch unelektrifiziertes Mountainbike bequem im Sessellift mit auf den Berg nehmen kann. Wenn man jetzt sogar schon beim Sport Bewegung und Anstrengung zu meiden sucht, was wird uns da wohl noch alles bevorstehen: vielleicht E-Rollerblades, Jogging-Parcours mit Rollbändern oder
E-Heimtrainer beziehungsweise E-Indoorbikes fürs E-Spinning?!

Winter Wonderland

März 2011 – Zauberteppich, Teppichlift, ein langsam laufendes Förderband als Skilift für Anfänger in den Skischulen – nicht neu, aber passend zum Ende der Skisaison auch hier einmal eine Erwähnung wert. Vorne werden die kleinen Skipüppchen draufgestellt und oben wieder runtergehoben. Andernfalls könnte das Erlernen dieses Sports ja tatsächlich mit Bewegung verbunden sein. Von einem Freund hab ich die Geschichte, dass sich die Skilehrer an einem windigen Tag entlang des Fließbandes aufgestellt hatten, weil die Kinder immer runtergekippt sind und unterwegs öfter wieder aufgestellt werden mussten. Die Eltern der Skipüppchen fahren dann derweilen im Sessellift mit Wetterhaube und Sitzheizung (Hochfügen-Hochzillertal) – der Bequemlichkeit halber wohl bald rauf und runter.

Am Pulsmesser der Zeit

Februar 2011 – Nach was strebt unsere Gesellschaft? Volkseinkommen, Wohlstand, Gesundheit, Glück …? Wie messen wir den Erfolg dieses Strebens? Welche Schlüsse zieht die Politik aus dieser Erfolgskontrolle? – Auf all diese Fragen gibt es derzeit nur eine Antwort: Wachstum des Bruttoinlandsproduktes. Aber macht das wirklich Sinn?

Denkt weiter!, ein Beitrag zur Debatte:

Link zur veröffentlichten (kürzeren) Fassung in der ZEIT Nr. 8,17. Februar 2011

Download des ganzen Essay: "Was wir messen, bestimmt, was wir tun" [105 KB]

Zum Schornstein hinausgejagt

Februar 2011 – Täglich verbrennen wir rund 14,2 Milliarden Liter Erdöl. Was soll man da noch viel mehr dazu sagen. Wenn einem allein angesichts der schieren Größe der Zahl die unweigerliche Endlichkeit dieser natürlichen Ressource nicht klar wird, wie sollte man es dann noch veranschaulichen. Mit dem, was pro Jahr verbraucht wird? 5.182.111.384.531 Liter! Tendenz steigend.

Wir sind aber auch Milliarden Menschen. Würde jeder OECD-Bürger am Tag nur einen einzigen Liter Öl sparen, könnten wir den Weltverbrauch um gut acht Prozent reduzieren. Dazu müssten wir nur zum Beispiel ungefähr zehn Kilometer weniger mit dem Auto fahren. Wir haben also selbst einiges in der Hand.

Der Berg schweigt

Januar 2011 – Der vordergründige Inbegriff des sanften Wintertourismus, nur das durchpflügen, was man sich vorher aus eigener Kraft und durch Ausdauer erkämpft hat: Tourenskigehen. Ein faires Miteinander von Mensch und Berg – schafft der Mensch es, den Berg ein Stück weit zu bezwingen, sei ihm auch das Recht, die Natur für sich zu nutzen, zugebilligt. So fragwürdig aber an sich schon eine Ableitung von Rechten aus solch vermeintlichen Leistungen ist – wer würde zum Beispiel einem Vielfahrer allein wegen seiner Kilometerleistung irgendwelche Verpflichtungen der Straßenverkehrsordnung erlassen – pervertiert es sich spätestens dann, wenn dieser Anspruch massenhaft wird.

Den Kolben bei Oberammergau kann man nun auf künstlich beschneiten Wegen und mit Untertunnelung der (Liftfahrer)piste für das kollisionsfreie Nebeneinander erklimmen. Wenn der Trend so weiter geht, wird auch bald die Skihalle im wüsten Dubai über einen neuen Anbau nachdenken müssen.

Gebeuteltes Land

November 2010 – Es ist ja schon schwer nachvollziehbar, weshalb man für etwas so Simples wie Reiskochen die Plastiktüte von Onkel Ben oder anderen ausgekochten Ausbeutlern braucht. Für eine eklatante Käufergruppe scheint aber inzwischen sogar die Portionierung und Zubereitung von Nudeln eine unbeherrschbare Herausforderung geworden zu sein, so dass Birkel jetzt auch die Pasta eingesackt hat. Wird einem davon übel, hat man wenigstens gleich eine Tüte zur Hand.

Wie groß ist deiner?

Oktober 2010 – „Der PS-Knick im letzten Jahr durch die vielen Klein- und Kompaktwagenverkäufe ist ausgebügelt“, meint das Center Automotive Research in der ZEIT vom 9. September 2010. Da wäre doch letztes Jahr glatt zu befürchten gewesen, dass die deutschen Autokäufer abwrackprämiengetrieben zur Vernunft gekommen sind: Die mittlere Leistung der verkauften Neuwagen war 2009 von 131 auf 118 PS gesunken. Doch in der ersten Jahreshälfte 2010 jagen die nagelneuen Potenzkrücken schon wieder mit durchschnittlich 130 PS durchs Dorf – Tendenz weiter steigend.

Möge die Macht mit euch sein

September 2010 – Power-Balance heißt die Jedi-Macht für jedermann. Ein Stück Silikon, vorzugsweise am Arm getragen, „in einem speziellen Prozess hergestellt“ bei dem ein „Mylar-Hologramm programmiert wird“, um „den natürlichen Energiefluss des Körpers zu optimieren“. Das Original Power Balance ® Armband kostet entsprechend mächtige (merke: Preis wirkt als Qualitätsindikator) 39,90 Euro – bei Herstellungskosten eines besseren Weckgummis. Laut der italienischen Tageszeitung La Stampa „ist das wundersame Objekt am Puls von Fußballspielern, Filmstars und gekrönten Häuptern wie der Infantin der spanischen Krone gesehen worden“. Nun wusste schon Esther Vilar in Der betörende Glanz der Dummheit, dass Berühmtheit nicht unbedingt mit Intelligenz korreliert: „Die auf dem Gipfel sind – in der Regel – die Beschränkteren, sonst kämen sie nicht hinauf.“ Werner Bartens zählt dementsprechend in der SZ-Reihe „Medizin und Wahnsinn“ Folge 142 auch Arjen Robben, Christiano Ronaldo, Rubens Barrichello und David Beckham zu den künstlich Ausbalancierten.

Zur Verdeutlichung dieses Irrsinns, oder besser gesagt dieses kommerziellen Geniestreichs, noch einmal La Stampa: „… die Mode greift um sich und eine Welle von Videos über das ‚Gleichgewichtsarmband‘ überflutet das Web. (Vor allem Jugendliche, die auf einem Bein balancieren, während andere sie zu Fall zu bringen versuchen. Bandträger bleiben stehen, die anderen verlieren das Gleichgewicht. Was wie ein Sketch wirkt, ist ein von den Herstellern zum Beweis der Wirksamkeit des Mechanismus empfohlenes Experiment.)“ (Quelle www.eurotopics.de vom 27/07/2010)

Vermutlich muss ich gar nicht mehr erwähnen, dass Doppel-Blindtests, wenn weder Proband noch Versuchsleiter wissen, ob sie wirklich ein „echtes“ Power Balance-Produkt haben, natürlich keinen Beleg für die Wirkung bringen. Wer noch genauer hinter die Raffinesse dieser Marketingstrategie schauen will:
http://www.csicop.org/si/show/power_balance_technology/

Ich spüre eine Erschütterung der Macht.

Volksbildung 2010

Tarot – Bilder der Seele (Kurs R1300, VHS Moosburg)
„Tarotkarten lassen die Bilder der Seele sichtbar werden und bringen uns so mit unserer inneren Stimme, unserer Seelenweisheit in Kontakt. Die Antworten, die wir mit Hilfe der Karten erfahren können, bringen Licht und Klarheit in die eigenen ‚Lebensschritte‘“.

Einflussfaktor Erdstrahlen – über die Bedeutung der Erdstrahlen in unserem Leben (Kurs 1140, VHS Werl - Wickede (Ruhr) – Ense)

Pendelpraxis I (Kurs N12303, VHS Mainz)
„Mit Hilfe des Pendels können Sie u.a. Lebensmittel, Medikamente etc. auf Verträglichkeit testen.“

Psychologische Astrologie nach Hermann Meyer – Planvoller Umgang mit Mars im Transit (Kurs 1002-28, VHS Frankfurt)

Das Tiroler Zahlenrad (VHS Kröv-Bausendorf)
„Die Zahlen unseres Geburtsdatums sagen etwas über unsere Persönlichkeit aus. … Die Einzelzahlen eines Datums, die Kombination der Zahlen und schließlich die Häufung der Zahlen zeichnen ein Bild der Persönlichkeit, die an diesem Tag geboren wurde.“

Schamanische Krafttiersuche (Kurs 11009, VHS Villingen-Schenningen)
„Das Krafttier ist eine Art virtueller Tierfreund und es steht ‚seinem‘ Menschen helfend zur Seite.“

Einführungskurs Einhandrute (Kurs 4870, VHS Donauwörth)
„Erlernen der Grundkenntnisse nach Körbler – kosmische Gesetze, Meditationen. Wie kann ich Wohnung, Lebensmittel, Medikamente harmonisieren?“

Indigo- / Kristallkinder (Kurs Y10801, VHS Cuxhaven)
„Seit 1968 werden auffallend viele hochtalentierte Kinder geboren, die unfassbare Fähigkeiten haben, aber nicht in unser Schulmuster passen und dort sehr große Schwierigkeiten haben. …
Vor allem Eltern von Kindern, die ungewollt entdecken, dass das Kind ‚besondere Fähigkeiten‘ hat. (Häufig hellseherisch, medial, besteht darauf Farben zu sehen, leichte Rechenaufgaben nicht kann - schwierige sofort. etc.)“

Chakra-Behandlungen mit Edelsteinen (Kurs 3028, VHS Kaltenkirchen)
„Chakren sind feinstoffliche Energiezentren im Körper, durch die unsere Lebensenergie fließt. Energetische Blockaden in den Chakren können unser Wohlbefinden beeinträchtigen, … In diesem Tagesseminar erfahren Sie, welche Aufgaben unsere Chakren haben, wie Blockaden sanft gelöst und die Chakren mit Edelsteinen energetisiert werden können.“

Die Aura des Menschen, sichtbar und fühlbar? Haben Sie schon einmal eine Aura gesehen? (Kurs 11206, VHS Haar)
„Könnte jeder die Aura sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen, pendeln oder sonst wie wahrnehmen? … Gibt es Löcher in der Aura? Hat jeder Mensch die gleichen Aurafarben? Sie bekommen Aurafotographien und andere Darstellungen des menschlichen Energiefeldes zu sehen.“

Safer Luggage

Juni 2010 – Endlich braucht man sich um seinen Koffer während einer Flugreise keine Sorgen mehr zu machen. In was für üble, vielleicht sogar schlecht riechende Gesellschaft konnte er bisher im dunklen Gepäckraum geraten, ganz zu schweigen von den obszönen Betatschungen der gemeinen Packarbeiter. Schluss damit, auch am Frankfurter Flughafen kann man jetzt die harte Kofferschale in weiche Folie einschweißen lassen. Safer Luggage – Gib der Umwelt keine Chance!

(Weltweit werden jährlich 225 Millionen Tonnen Plastik hergestellt und davon wird nach Gebrauch ein Großteil nicht recycelt. Es ist bisher nicht absehbar, dass Plastik in der Umwelt verrotten würde oder durch irgendwelche Mikroorganismen abgebaut wird. Daher werden zum Beispiel die Weltmeere zunehmend mit Plastik verschmutzt. Durch Sonneneinstrahlung und Wellenbewegung wird dort der Plastikmüll nach und nach fein wie Plankton zerrieben und gelangt dann in die Nahrungskette unserer Speisefische – und bei uns auf den Teller.)

XXL Rettung

September 2009 – In Bayern werden 26 Schwerlast-Retter angeschafft. Ein normaler Krankenwagen ist für Patienten ausgelegt, die maximal 150 Kilogramm wiegen. Das reicht scheinbar immer öfter nicht mehr aus. Die bayerischen Rettungsdienste erhalten daher jetzt flächendeckend Spezialfahrzeuge, mit denen bis zu 300 Kilogramm schwere Patienten transportiert werden können. Die dazugehörige Schwerlast-Trage kann mit einer entsprechend starken Hebebühne ins Fahrzeug gehoben werden. Wie die Sanitäter den Verunfallten aber erst einmal auf die Trage bringen, bleibt nach wie vor ihrer Improvisationsgabe überlassen.

Generation Radlos

September 2009 – Immer weniger Kinder können sicher Fahrrad fahren. Die Unfallforschung des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (Träger der bundesweiten Fahrradausbildung in der Grundschule) beklagt im Vergleich zwischen 1997 und 2008 zunehmende motorische Defizite: „So beherrschen immer mehr Kinder wichtige Alltagssituationen des Radfahrens nicht, beispielsweise das Spurhalten beim Blick zur Seite oder nach hinten.“ Die Ursache sieht der Studienleiter in einem Teufelskreis aus fehlender Bewegung, mehr Unsicherheit, weniger Fahrradpraxis und damit noch weniger Bewegung. (Quelle: Rudolf Günther, Sabine Degener: Psychomotorische Defizite von Kindern im Grundschulalter und ihre Auswirkungen auf die Radfahr-Ausbildung, Reutlingen 2009 – siehe www.udv.de)

Coming Soon

Volk der Nichtschwimmer

Dreaming of a White Summer

Dezember 2012 – Ah, wie schön ist es doch, wenn’s endlich mal wieder richtig schneit – walking in a winter wonderland. Wenn nur die weiße Pracht nicht immer mit Kälte verbunden wäre. Warum muss es immer Winter sein, wenn es schneit. – Aber halt, das muss ja doch gar nicht sein. Kommen Sie mal mit, ich hab da was für Sie. … – Wir wissen nicht, was dieser freundliche Urlaubsagent des Dubai Indoor Ski Resort empfiehlt. Wir empfehlen eine moderne Schneemaschine, da können Sie die nächste Schneeballschlacht problemlos auf den Sommer verlegen. Mit der mobilen SnowBox 6100L lassen sich zum Beispiel noch bei 35° C gut vier Kubikmeter Schnee in der Stunde herstellen und zu jeder beliebigen Eventgelegenheit in die Gegend spritzen. Benötigt werden dafür nur rund 1.000 Liter Wasser sowie 100 Kilowatt-Stunden Strom – in einer Stunde der Stromverbrauch einer durchschnittlichen Familie für mehr als eine Woche. Wer das von der SnowBox erzeugte Scherbeneis nicht als echten Schnee akzeptiert, braucht nicht zu verzagen. Mit einem Vakuum-Schnee-Erzeuger wie dem hallengroßen IDE Snowmaker lassen sich annähernd echte Schneekristalle erzeugen – at any temperature verspricht der Hersteller. Über 70 Kubikmeter Schnee in der Stunde schaffen solche Anlagen, in denen Aggregate arbeiten, die einige 1.000 Kilowatt Leistung haben (da kommt man dann leicht einmal auf den Jahresstromverbrauch einer durchschnittlichen Familie, der da in ein, zwei Stunden durchrauscht). Die Pitztaler Gletscherbahnen ermöglichen sich damit zum Beispiel einen frühen Saisonstart im Herbst – damit die Gäste für den Wintersport nicht auf den kalten Winter warten müssen. 30 Tonnen Ingenieurskunst, um, nur so zum Spaß, dem Wetter ein Schnippchen zu schlagen.

zurück zu Archivkategorien